stachelschriften
Gastpublikation
Hein Michel
Wilhelm Jacob
- 20
Jetzt kommt DSL

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Gleich morgens rief Luise bei ihrer Tochter Nicole an, um mitzuteilen, daß sie wohlbehalten aus dem Urlaub zurückgekehrt seien. Das war natürlich nicht der einzige Grund. Mindestens so wichtig war es ihr, das Gespräch ganz zufällig auf das Thema Laptop lenken zu können, um dann subtil zur eigentlichen Sache zu kommen. Ebenso elegant schlug sie den Bogen weiter zur Frage nach einem DSL-Anschluß.
Nicole verwies diesbezüglich sogleich auf ihren Mann Stefan, der sich mit diesen Dingen bestimmt besser auskannte. Stefan kam meist abends gegen 18 Uhr von der Arbeit. Nicole versprach einen Rückruf nach dem Abendbrot.


Kurz nach 19 Uhr klingelte das Telefon. Wie erwartet, war es Stefan. Der technische Bedarf war schnell abgeklärt. Hein äußerte den Wunsch nach einem DSL-Anschluß über einen preiswerten Provider. Als er dann auch noch erwähnte, daß keine hohen Uploadvolumina weniger wichtig seien als Downloadgeschwindigkeiten, die einen ruckfreien Stream ermöglichten, staunte Stefan nicht schlecht.
Er hatte schon befürchtet, er müsse Hein und Luise nun von Anbeginn neu alphabetisieren. Dieses Vokabular hätte er dem Senior niemals zugetraut. Das nötigte ihm ehrlichen Respekt ab. Was er nicht sah, war Heins kleiner Spickzettel neben dem Telefon. Den hatte Hein vor wenigen Tagen während eines Gespräches mit seinem Freund Josef erstellt.
Als Hein fragte, wo man einen solchen Antrag stellen müsse, bot Stefan an, dies online zu erledigen. Genauestens fragte er alle benötigten Daten ab, und er stellte in Aussicht, daß schon binnen weniger Tage ein Anschluß möglich sein könnte.

Als Stefan dann fragte, welche Art von Rechner denn vorgesehen sei, war er abermals verwundert. Hein spezifizierte das gewünschte Modell mittels perfekter Nennung von Betriebssystem nebst der bevorzugten Version und logisch passender Angaben bezüglich der wichtigsten Leistungsdaten. Aber auch diese standen auf Heins Zettel, er hatte ihn nur umdrehen müssen. Alles klang enorm kompetent. Stefan war offensichtlich verblüfft, Hein grinste ein wenig und schien insgeheim amüsiert.
Zum Ende des Telefonates vereinbarten sie, daß Hein oder Luise sich melden würden, sobald der Netzanbieter sich gemeldet habe.


Noch am selben Abend klingelte das Telefon erneut. Luise griff gleich zum Hörer. Dieses Mal war es Nicole. Stefan hatte sich mit ihr beraten, und sie waren übereingekommen, ihren eigenen Laptop zugunsten eines ganz aktuellen Modells zu wechseln. Ihr derzeitiger Rechner erfüllte problemlos Heins Anforderungen, folglich könnte Stefan das Gerät doch passend umkonfigurieren.
Mit diesem Vorschlag konfrontiert, mußte Luise nicht lange überlegen. Es bedurfte keiner weiteren Abstimmung, gerne nahm sie solch ein Angebot an.
Nun brauchten alle Beteiligten nur noch auf die ersehnte Post warten, dann konnte es losgehen. Bald schon sollte also auch bei Hein und Luise die Mediale Neuzeit beginnen.

Stefan hatte noch am selben Tag die Formalitäten online erledigt, und so hatte es nur knapp eine Woche gedauert, bis das ersehnte Päckchen mit dem WLAN-Router kam. Nun war es da !
Stefan hatte das Gerät zügig installiert, der vorbereitete Rechner war angeschlossen, und Stefan startete die vorinstallierte Suchmaschine. Eine all zu umfangreiche Einweisung war für heute nicht vorgesehen. Für's Erste mußten einige wenige Nutzungshinweise genügen. Daß ab nun, und besonders in den nächsten Tagen und Wochen, noch unzählige Probleme auftauchen würden, war Stefan klar. Viele der noch kommenden Fragen würde aber auch Nicole mit den Beiden klären können.
Nachdem Nicole und Stefan wieder nach Hause gefahren waren, blieb Hein und Luise viel Zeit, sich im Laufe des Abends mit ihrer neuen Errungenschaft zu befassen - und dieser Abend sollte noch lange dauern.

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...an dieser Stelle endet der erste Teil... es folgen noch einige Nachträge.


Der zweite Teil befaßt sich mit Hinweisen auf Informationen, die im Internet verfügbar sind. Bewußt werden dabei viele Sichtweisen ausgelassen, die in den mehrheitlich genutzten Medien (Massenzeitungen bzw. TV) ohnehin ausreichend vertreten sind.



Hein Michel - bundesrepublikanische Alltagsgeschichten


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